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Syndicate: net_condition: obn@zkm - presseerklaerung & manifest


+++ sorry! at the moment, there's only a german version available -
english translation will follow as soon as possible - sorry! +++

Presseerklaerung
obn@zkm - Das Old Boys Network gibt sich die Ehre


Das old boys network (obn) präsentiert:

"obn@zkm"

Samstag, 16. 10. 1999  - 18.00 Uhr
in der Reihe theLounge
im Rahmen der Ausstellung netz_bedingung / net_condition am ZKM
Karlsruhe 
ZKM Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe
Lorenzstrasse 19
D-76135 Karlsruhe

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Samstag, den 16. 10. 1999 um 18.00 Uhr ist das old boys network (obn)
eingeladen, im Rahmen von theLounge, dem Kommunikationszentrum der
Ausstellung netz_bedingung /net_condition (23.09.99-09.01.2000) am ZKM
Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe seine Arbeitsweise am
und im Netz vorzustellen.
Wir möchten Sie unsererseits herzlich zu diesem Termin einladen und
Ihnen im folgenden einige Hintergrundinformationen zu unserem Auftritt
sowie zu unserem Netzwerk bereitstellen.

obn@zkm

Den Titel unserer Performance, obn@zkm, haben wir bewusst doppeldeutig
gewählt. Angelehnt an die übliche Form von eMail-Adressen
(Netzteilnehmer@Provider bzw. Institution) verweist der Titel einerseits
unmittelbar auf den Auftritt des old boys network am ZKM (obn@zkm lässt
sich als "obn am zkm" übersetzen), suggeriert aber zugleich, eine real
existierende Netzadresse zu sein (tatsächlich lauten die eMail-Adressen
des ZKM entsprechend, z. B. info@zkm.de).

Bedeutet dies, dass das old boys network für die Zeit seiner Performance
zum Teil der Institution ZKM wird? Kann eine Netzgemeinschaft im Rahmen
einer Ausstellung ebenso wie ein klassisches künstlerisches Programm
inszeniert und vorgeführt werden? Kann umgekehrt eine Kunstinstitution
Netzgemeinschaften nahtlos in ihr Konzept integrieren und als Teil einer
Ausstellung in die Kunstgeschichte überführen?

Überlegungen wie diese waren für das old boys network Anlass, auf die
Einladung des ZKM zu netz_bedingung / net_condition mit einem besonderen
Konzept zu reagieren - einem Konzept, das es uns ermöglicht, einerseits
die Einladung ans ZKM anzunehmen, andererseits jedoch die Tendenz der
Ausstellung, netz.kunst ebenso wie Netzgemeinschaften zu
institutionalisieren und damit zur Kunstgeschichte zu erklären, kritisch
zu hinterfragen. Auf diese Weise wollen wir nicht zuletzt die
netz_bedingung / net_condition des ZKM selbst überprüfen.

Grundlage der Performance obn@zkm ist ein kleiner Kunstgriff, die
virtuelle Gründung einer fiktiven Netzgemeinschaft von
Cyberfeministinnen am ZKM, die sich nach ihrem Vorbild, dem old boys
network, obn@zkm nennt. Wir stellen uns also vor: Anlass der Gründung
sind die Vorbereitungen zur Ausstellung net_condition, in deren Rahmen
das old boys network eingeladen werden soll. Angeregt von den
Aktivitäten der cyberfeministischen Internationale beschliessen
Mitarbeiterinnen, selbst ein cyberfeministisches Netzwerk zu gründen und
aktiv zu werden. Der erste Schritt ist konsequent: Vernetzung. Mit ihrem
Namen, obn@zkm, wollen sich die Cyberfeministinnen am ZKM den Zielen und
der Programmatik des old boys network anschliessen und diese am ZKM
umsetzen. Sie verfassen ein Manifest, das sie obn im Vorfeld des
geplanten Auftrittes via eMail zukommen lassen. Parallel wird das
Manifest zur Eröffnung der Ausstellung netz_bedingung / net_condition an
die anwesende Öffentlichkeit verteilt.

Angenommen, es gäbe eine solche Gruppierung am ZKM: Welche Forderungen
würde sie an die Institution und ihre net_condition stellen?

Das old boys network nimmt die Gründung einer Schwestergruppierung am
ZKM ernst:
In unserer Performance werden wir das Manifest von obn@zkm diskutieren.
Wir werden obn@zkm auf der Grundlage des Manifestes nach "ihrem"
Verständnis von Cyberfeminismus fragen und dabei überlegen, wie eine
cyberfeministische Praxis in einer Institution wie dem ZKM aussehen
könnte und umzusetzen wäre.
Auf diese Weise werden wir zugleich Einblicke in Theorien und Praxen von
Cyberfeminismus geben, auf deren Basis das old boys network selbst als
eine cyberfeministische Allianz seine net_condition definiert.

old boys network (obn)

Das old boys network hat sich im Sommer 1997 als erste internationale
cyberfeministische Allianz zusammengeschlossen. Basierend auf einer
Politik des Dissens arbeitet das old boys network auf der Grundlage
medialer wie persönlicher Vernetzung mit cyberfeministischen Strategien
am und im Spannungsfeld von Gender und Netz. Die core-group des old boys
network (derzeit acht old boys) entwickelt neben der Arbeit an Theorien,
Praktiken, Ästhetiken und Politiken des Cyberfeminismus verschiedene
Vermittlungs- und Veranstaltungsformate. Neben dem Betreiben der
Webseite www.obn.org und einer Mailingliste wurden und werden
regelmässig Live-Präsentaionen, Vorträge, Workshops und Symposien für
den Face-to-Face-Austausch organisiert, darunter die First Cyberfeminist
International im Hybrid Workspace im Rahmen der dX (Kassel, September
1997) und die Next Cyberfeminist International in Verbindung mit
Next5Minutes (Rotterdam und Amsterdam, März 1999). Eine Dokumentation
dieser Aktivitäten und weiteres Material finden sich bislang in zwei
Readern publiziert, die
bei OBN erhältlich sind; in Vorbereitung ist zudem ein Buchprojekt mit
dem Titel "Cyberfeminism. Next Protocols", das voraussichtlich 2000
erscheinen wird.
Information und Kontakt unter:
Homepage http://www.obn.org
eMail: boys@obn.org

+++++++++++++++++++++das manifest+++++++++++++++++++++++++++++++++++

Manifest
des Old Boys Network @ ZKM, Karlsruhe


Angeregt vom Geist einer neuen Konzeption des ZKM, wie sie im Fruehjahr
dieses Jahres durch die neue Leitung des Hauses formuliert wurde, und
befluegelt durch das Vorbild der 1. Cyberfeministischen Allianz, das old
boys network, hat sich im Sommer 1999, mit obn@zkm eine
cyberfeministische
Initiative auch am ZKM formiert. Ziel ist es, die interne und externe
cyberfeministische Vernetzung des ZKM nachdruecklich zu fordern und
nachhaltig zu foerdern. Darueber hinaus betreibt obn@ZKM mit der
gebotenen Entschlossenheit eine Cyberfeminisierung des ZKM auf jeglicher
Organisationsebene.

Wir fordern:
1. Eine neue cyberfeministische Identitaet des ZKM, die sich durch drei
ueberschneidende Wirkungsfelder artikuliert: Cyberfeministische
Produktion und Forschung, cyberfeministische Ausstellungen und
Veranstaltungen, cyberfeministische Vermittlung und Dokumentation.
1a. Wir fordern die Finanzierung von mindestens 3 cyberfeministischen
Professuren an der Hochschule! Außerdem: Bei Stellenausschreibungen wird
bei gleicher Qualifikation eine Cyberfeministin eingestellt!
1b. Ausstellungsraeume aufraeumen! Alles muß raus! Liquidation auf dem
internationalen Markt oder ab ins Magazin.
1c. Mehr Subkultur ins ZKM!
1d. Vom ZKM zum ZCF!

2. Die bisherige Organisationsstruktur des ZKM wird abgeloest von einer
dynamischen, flexiblen Organisationsstruktur: Wir fordern ein
Rotationssystem nach cyberfeministischen Kriterien!
2a. Wir verlangen unseren persönlichen Avatar zur effektiven
Arbeitsentlastung!
2b. Bottom-up Umstrukturierung!
2c. Ein cyberfeministischer Newsletter am ZKM! Als Kontaktboerse fuer
Treffs im Real Life, Wohnungstausch, internationale Stelleninformationen
etc.
2d. Gemeinsame Betriebsausfluege in den Cyberspace!
2e. Free access to Peter-Cam!
2f. Regelmaessiges Surweibel-Training für alle Mitarbeiterinnen.
2g. Betriebspsychologische Beratung durch virtuelle Therapeutin.
2h. Virtuelle Menstruationshuette auf dem Server des ZKM

3. Ein Cyberfeminists-in-Residence-Programm: Cyberfeminist Critics fuer
ein cyberfeministisches Diskursprogramm! Cyberfeminist Curators fuer
cyberfeministische Ausstellungsserien! Cyberfeminist Scientists fuer die
Unterstuetzung der cyberfeministischen Grundlagenforschung! Durch all
diese Aktivitaeten wird die Aussenvernetzung und die Anbindung an die
internationale cyberfeministische Community verstaerkt.
3a. Eigene Parkplaetze für Cyberfeministinnen!
3b. Free Cybersex, unlimited!
3c. Telemedizinische Betreuung obsoleter Koerper via High Speed
Networks.
3d. Direkte Zusammenarbeit mit cyberfeministischen Sponsoren!

4. Eine umfassende Extension der lokalen cyberfeministischen
Aktivitaeten. Das ZKM muss, wie viele andere Medienunternehmen,
entschieden in das cyberfeministische Universum eintreten, um
netzwerkfaehig zu bleiben:
Wir fordern eine cyberfeministische Überprüfung der net_conditions am
ZKM!
4a. ZKM goes Boerse? Globale Gemeinschaft cyberfeministischer
Shareholder in Zusammenarbeit mit den Kultusministerien der Laender!

+++++++++++++++++++hintergrundinformationen+++++++++++++++++++++++++++++++++

obn@zkm


Im Vorfeld der Planungen für theLounge im Rahmen von net_condition im
ZKM Karlsruhe wurde dem old boys network via email das umstehende
Manifest zugespielt. Da die internationale cyberfeministische Vernetzung
zu den wichtigsten Zielen des obn gehört, lag es nahe, auf die konkreten
Forderungen einer neuen cyberfeministischen Gruppierung am Zentrum für
Kunst und Medientechnologie einzugehen. Aus diesem Grund haben wir uns
dazu entschlossen, der Gruppe namens obn@zkm unsere Katalogseite für den
Abdruck ihres Manifestes zur Verfügung zu stellen und den Karlsruher
'old boys' im Rahmen unserer Veranstaltung am ZKM eine oeffentliche
Diskussion ihres Manifests anzubieten, um gemeinsam weitere
cyberfeministische Perspektiven zu entwickeln.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

from: obn@zkm.de
to: boys@obn.org
betreff: obn@zkm manifest

Allein durch eine Konzentration auf cyberfeministische Aktivitaeten kann
das ZKM zusaetzlich zu seiner Bedeutung für die Etablierung interaktiver
Kunstformen der neunziger Jahre in seiner neuen Phase zu einem
Kompetenzzentrum für alle Fragen der Wissens- und
Informationsgesellschaft
werden. Cyberfeminismus ist ein Phaenomen, das sich dadurch auszeichnet,
dass sich ihm niemand entziehen kann. Insbesondere ein Zentrum für Kunst
und Medientechnologie, das sich eben mit jenen technischen Medien
auseinandersetzt, die wesentlich konstitutiv fuer das Entstehen des
Cyberfeminismus waren, kann sich nicht allein lokal definieren,
sondern muss sich besonders bewusst mit der Cyberfeministischen
Internationale
vernetzen.

Das ZKM: a networked cooperation, ein Netzwerk von gemeinsamer
Verpflichtung und Hingabe  - das wollen wir beim Wort nehmen. Mit den
digitalen Medien in ein cyberfeministisches Millennium!

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Das old boys network (obn) hat sich im Sommer 1997 als erste
internationale cyberfeministische Allianz zusammengeschlossen. Basierend
auf einer Politik des Dissens arbeitet das old boys network auf der
Grundlage medialer wie persoenlicher Vernetzung mit cyberfeministischen
Strategien am und im Spannungsfeld von Gender und Netz. Die core-group
des old boys
network (derzeit acht old boys) entwickelt neben der Arbeit an Theorien,
Praktiken, Aesthetiken und Politiken des Cyberfeminismus verschiedene
Vermittlungs- und Veranstaltungsformate. Neben der Betreibung einer
Webseite www.obn.org und einer Mailingliste wurden und werden
regelmässig Live-Praesentationen, Vortraege, Workshops und Symposien für
den Face-to-Face-Austausch organisiert, darunter die First Cyberfeminist
International im Hybrid Workspace im Rahmen der dX (Kassel, September
1997) und die Next Cyberfeminist International in Verbindung mit
Next5Minutes (Rotterdam und Amsterdam, Maerz 1999). Eine Dokumentation
dieser Aktivitaeten und weiteres Material finden sich bislang in zwei
Readern publiziert, die bei OBN erhaeltlich sind; in Vorbereitung ist
zudem ein Buch, das unter dem
Titel "Cyberfeminism. Next Protocols" voraussichtlich 2000  erscheinen
wird.
Information und Kontakt unter:  <boys@obn.org>  http://www.obn.org

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