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Re: [rohrpost] =?iso-8859-15?Q?Monsterbegr?==?iso-8859-15?Q?iff_Medien=3
Florian Cramer on Wed, 11 Dec 2002 17:15:03 +0100 (CET)


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Re: [rohrpost] =?iso-8859-15?Q?Monsterbegr?==?iso-8859-15?Q?iff_Medien=3A_Definitionen_=28f=FCr?= Uni-Leute)


Am Mittwoch, 11. Dezember 2002 um 15:49:31 Uhr (+0100) schrieb Martin
Lindner:
 
> "... die komplexen, eigendynamischen und binnelogischen Systeme, die
> sich auf drei Ebenen um ein technisches Verfahren zur Codierung,
> Übertragung und Decodierung von Zeichen herum ausbilden: 

Schon "Codierung" und "Decodierung" sprengen den Begriff des Mediums als
einer mittleren Instanz zwischen Sender und Empfänger, da sie
Tätigkeiten eben des Sendens und Empfangens, der Produktion und
Rezeption sind. 

> auf der Ebene des technisch restringierten Proto-Codes (Kittler ...), 

Auch hier fragt sich, ob mit "Code" und "Medium" nicht zwei benachbarte
Dinge verwechselt werden, denn das Medium (s.o.) ist doch Träger eines
Codes. - Ich finde es bemerkenswert, daß die Computertechnik einen sehr
präzisen, fest umrissenen Medienbegriff hat, wenn sie etwa von Disketten
als "Speichermedien" spricht, und übrigens auch einen präzisen Begriff
des "Virtuellen" (als Modellierung einer Hardware in Software, z.B. in
"virtuellem Speicher" und "virtual devices"). - 

Hinzu kommt die vertrackte Eigenschaft von algorithmischen Codes, daß
sie selbst Generatoren und damit _Sender_ anderer Codes sind.
 
> "Technisch": Beginnend mit Fotografie und Telegrafie. 

In dieser Abkunft scheint mir die Problematik des Begriffs "Medium"
historisch begründet zu sein. Photographie und Telegraphie wurden ja als
mimetische Technologien konzipiert, die sich tatsächlich nach der Logik
eines spiritistischen "Mediums" konfigurieren. 

> vortechnische Schrift- und Bild-Medien (die nur in dem übertragenen
> Sinn "Medien" sind, dass sie im Rückblick, von den seit ca. 1980
> gültigen Erkenntnissen über technische Medien aus, überhaupt erst als
> "Medien" begriffen werden können); 

Bei aller Skepsis gegenüber der Inflation von "Medium": Warum sollte ein
neuer Begriff nicht ältere Phänomene beschreiben und sie ggfs. in eine
neue Perspektive rücken? 

-F

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