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[rohrpost] zwischen bild und ton #3
garage on 12 Aug 2001 05:25:10 -0000


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[rohrpost] zwischen bild und ton #3


das wetter soll gut werden, das programm sowieso:::::



10.-12. august festivcal garage 2001 stralsund "zwischen bild und ton"


livestream: http://www.garage-g.de/2001/garage-live.ram (jeweils ab ca. 21 uhr)



10.august:
[1] Das Instrument im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

Drei Solisten nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem
Zuhörer. Der eine nutzt das Urinstrument (die Stimme) und reizt
dieses bis an seine Grenzen aus. Der zweite erweitert sein Instrument
durch den Einsatz von Midicontroller und Computer und gibt ihm so die
Möglichkeit, über die Soundgrenzen des Instrumentes hinauszuspielen,
ohne es wirklich aus der Hand legen zu müssen. Der dritte bedient
sich ausschließlich des Computers und schafft mit dem Wissen um
“klassische" Instrumentierung seine Klangräume.

1 Das Instrument
EBERHARD BLUM (Berlin) - Stimme - “Ursonate" von Kurt Schwitters
“Mein Material ist Musik, doch Kunst ist mein Thema." Eberhard Blum
ist bedeutender Flötist Neuer Musik, prominenter Sprachperformer und
Bildender Künstler. Blums besonderes Interesse gilt der
“indeterminierten", der unbestimmten Musik, wie sie John Cage und in
seiner Folge Komponisten wie Earle Brown und Christian Wolff seit den
50er Jahren komponierten.
Blum wurde 1940 in Szczecin geboren, wuchs in Stralsund auf und
begann nach dem Abitur 1959 sein Musikstudium am Konservatorium in
Rostock. 1969 verließ er die DDR und studierte 1969 bis 1964 Flöte
bei Aurèle Nicolet an der Hochschule für Musik in Westberlin. In
seiner Konzerttätigkeit konzentrierte sich Blum rasch auf neue und
experimentelle Musik. 1973 bis 1976 war er auf Einladung Morton
Feldmans  am Center of the Creative and Performing Arts der
University of Buffalo, New York tätig und formte 1976 zusammen mit
Feldman, Nils Vigeland (beide Klavier) und Jan Williams (Schlagzeug)
die Gruppe “Morton Feldman and Soloists", die auch nach dem Tod
Feldmans 1987 mit wechselnder Verstärkung in der ganzen Welt
konzertiert. Er wirkte an den Uraufführungen der Werke mit, die
Feldman für dieses Ensemble komponierte, u.a. “Why Patterns?" (1978),
“For Philip Guston" (1985) und “For Christian Wolff" (1986). Paul
Gutama Soegijo, Hans Otte, Ernstalbrecht Stiebler und Toshio Hosokawa
gehören zu den Komponisten, die Werke für Blum schrieben.
Seit 1975 sah sich der Flötist immer häufiger mit Musikstücken
konfrontiert, die ihm die Verwendung von Stimmklängen und
Sprachelementen abverlangten. Diese ebneten den Übergang zu
Aufführungen reiner Sprachkompositionen, von der bedeutenden
Interpretation Kurt Schwitters' “Ursonate" bis zur dreistündigen
Aufführung von John Cages “Sixty-two Mesostics re Merce Cunningham".
Seit 1980 tritt Blum auch als Bildender Künstler in Erscheinung. Er
erhielt u.a. 1995 den Friedrich-Ferdinand-Runge-Preis für
unkonventionelle Kunstvermittlung und 1998 den Lifetime Achievement
Award der Yvar Mikhashoff Stiftung für Neue Musik. Die Verbreitung
der Musik von John Cage, Morton Feldman und ihrem Umfeld hat Blum in
Europa unterstützt und geprägt.
Blum ist gefragter Interpret in Konzerthäusern zwischen New York und
Tokio -  in Stralsund wird er erstmals im August 2001 beim Festival
garage auftreten.

2 Das Instrument und der Computer
AXEL DÖRNER (Berlin) - Trompete/Max
Dörners Wurzeln liegen im Jazz und der improvisierten Musik. Sein
erstes Instrument war das Klavier, das er zuerst am Konservatorium in
Arnheim (Niederlande) von 1988 bis 1989 studierte und anschließend
(1989 bis 1996) an der Musikhochschule in Köln. Ab 1991 studierte er
dort Trompete bei Malte Burba. Er arbeitete zusammen u.a. mit dem
Trompeter Bruno Leicht, mit Wayne Dockery, John Betsch, Matthias
Schubert und Claudio Puntin. Während dieser Zeit gründete er das
“Axel Dörner Quartett" mit Frank Gratkowski, Hans Schneider und
Martin Blume, außerdem “The Remedy" mit Sebastian Gramss und Claus
Wagner (und als Gäste Peter Kowald, Tom Cora und Matthias Schubert)
und “Die Enttäuschung" mit Rudi Mahall, Ulli Jennesen und Jan Röder.
In seinem Soloprojekt hat sich Dörner intensiv mit der Erweiterung
seines Instrumentes durch den Einsatz von Midicontroller und Computer
auseinandergesetzt. Die Beschäftigung mit der grafisch frei
programmierbaren Software MAX hat ihm Möglichkeiten geschaffen, über
die Soundgrenzen der Trompete hinauszuspielen, ohne sie wirklich aus
der Hand legen zu müssen.

3 Der Computer
STEPHAN MATHIEU (Saarbrücken) - MAX/Supercolider
Spielte als Schlagzeuger in der Berliner Band “Stol" und mit Butch
Morris in nationaler und internationaler Improvisationsszene. Die
Verfremdung und Bearbeitung klassischer Instrumente mit digitalen
Mitteln hat für ihn dabei in den letzten Jahren immer mehr an
Wichtigkeit erlangt. Seine Musik besteht aus mikroskopischen Analysen
und Modulationen akustischer Klangquellen. “It's all about:
extracting sounds from homeopathic vibrations of their source". Seine
Remixe für Kit Clayton, Will Oldham und Monolake sind bahnbrechend.
Oder aber auch sein jüngstes konzeptionelles Werk, “Wurmloch
Variationen", basierend auf einer 11minütigen Piano-Einspielung,
welche er in aufwendigen und komplexen technischen Überarbeitungen zu
komplett neuen Formen umwandelt.
Verlegt u.a. beim Mille Plateaux Label.
www.bitsteam.de




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11.august:
[2] The Listening Space
kuratiert von Antye Greie-Fuchs (Berlin)

verfilme den ton
ton ohne bild - die nichtexistente bildspur
ton an der wand - wand im hirn.
projektion im kopf.
bist du ein visueller typ ?
was siehst du
wenn du die augen schliesst
und musik hörst.

antye greie-fuchs und kaffee matthews spielen ein gemeinsames konzert
- der zuschauer wird in ein 8 kanal system eingeladen und mit
augenbinden ausgestattet
augenschliessen als konsequentestes weglassen visuellen angebots. so
wird man gezwungen die akustische dimension der welt hinter
augenlidern unter hirnen und dem wille oder talent es anzuwenden zu
visualisieren. verfilme den ton !

live sampling und improvisation. klangstücke vom ort der performance
und aus quellen der jeweiligen umgebung - hafen, speicher, menschen,
geräusche.
wiederaufbereitung während der show. resampling im raum innerhalb
eines kreises von lautsprechern. stücke mit beatigem knistern, klang
- digital und statisch. die musik ist weit, gewaltig, geformt in
textliche landschaften, pulsierend in rauhen technohymnen,
geräuschvoll. ein spiel mit dem publikum

ANTYE GREIE-FUCHS (Berlin)
Musikerin und Künstlerin seit 1990, Mitarbeiterin der Plattenfirma
Kitty-Yo [KY]. Bekannt durch laub, tritop und ihr Soloprojekt ist
Antye Greie-Fuchs eine der interessantesten Stimmen der deutschen
Elektronikszene. Live tobt sie elektronisch zwischen Ambient bis
Breitenrausch auf tiefergelegten Beats, mal ruhig und melancholisch
zu zerrenden Bässen und dann wieder sehr leicht und warm. Aufatmend.
Sie nutzt Stimme und Worte abstrakt und vielsprachig. Alles ganz
filmisch und ergreifend, intensiv, wenn man's zuläßt! Antye
Greie-Fuchs ist derzeit Artist in Residence am Podewil in Berlin und
kuratiert dort verschiedene Veranstaltungen im Kontext
Musik/Netz/open source und Kunst.
Nach Stralsund hat sie eingeladen:

KAFFE MATTHEWS (london)
Kaffe Matthews ist eine der aktivsten englischen Künstlerinnen der
neuen elektronischen Musikszene, Resultat ihres überraschend
eigenwilligen Zugangs zu digitalen Apparaten und ihrer
Live-Performance sind ein paar einzigartige Publikationen auf dem
Label annetteworks. Meist spielt sie über 4 Lautsprecher,
improvisiert mit Schallstücken, die vom Performance-Ort und dessen
Umgebung gesampelt, während der Show verarbeitet und zu neuen Sounds
zusammengefügt werden.  Die vier CDs, “cd Ann", “cd Bea" , “cd
cécile" und “cd dd", präsentieren eine jährliche Entwicklung Matthews
Arbeit in einer Vielfalt von Situationen rund um die Welt.
Kaffe Matthews macht und spielt seit zehn Jahren neue Musik mit allen
Arten digitaler technischer Spielereien. Von Geige, Schlagzeug, Acid
House Engineering und einem Master in Musiktechnologie kommend, ist
sie nun vor allem bekannt durch ihre Live Sampling Performances von
Ereignissen und Orten in Echtzeit: Prozesse als Installation, auf der
Bühne, in Galerien, Klubs, Konzerthallen, Zelten, Kirchen,
Lagerhallen, Kaffeehäusern.
Zur Zeit arbeitet sie zusammen mit mimeo, Christian Fennesz, Zeena
Parkins, arbeitet an einem Duo mit Andy Moor (the EX), mit Neotropic
(aka Riz Maslem), mit Performance-Künstler Hayley Newman,
Videokünstlerin Mandy McIntosh, Charles Hayward, Jon Rose, Pan-sonic,
Bruce Gilchrist und Joe Joelson (SYZYGY) und Alan Lamb. Vor kurzem
wurde sie beauftragt, eine neue Arbeit für ihren übergroßen
Schallsessel (erstmals für die Milleniumausstellung der Krankenhäuser
in Chelsea und Westminster, London) anläßlich des Becket Time
Festivals in Glasgow zu entwickeln. Zur Zeit arbeitet Kaffe Matthews
gemeinsam mit dem Audioingenieur Bob Field an einem
Multidiffusions-Labor in London und schreibt außerdem die Filmmusik
zur Channel 4-Produktion “Dish".
1994-97 war sie Leiterin von Sonic Arts Network und dem London
Musician Collective. Kaffe Matthews arbeitet außerdem als Dozentin
für Performance Technology und Sampling-Workshops an verschiedenen
Kunst- und Musikhochschulen in England und ist 2001 Jurymitglied der
Ars Electronica in Linz.
www.kitty-yo.de
www.annetteworks.com



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12.august:
[3] “Interaktives Hör-Spiel" Das längste Schiff der Welt
von PETERIS KIMELIS und X-Change
Co-Streaming über das Web zwischen Stralsund und Riga
kuratiert von Sabine Breitsameter vom AudioHyperspace/ SWR 2 in
Kooperation mit dem Acoustic.Space.Lab Symposium (Irbene, Lettland) /
re-lab.net (Riga) im Rahmen des 5. Internationalen New Media
Festivals “Art + Communication"

Das längste Schiff der Welt
Die alte Ost-West-Verbindung: das große Wasser. Kurze Wellen und
Unterwasser-Zivilisationen. Seekrankheit und Schwindel. Die
Grenzenlosigkeit von Ölteppichen und Säureverklappung. - Ein
gigantischer sowjetischer Öltanker, der einst explodierte, hinterließ
nicht nur Fische, Bauch nach oben, im Netz, sondern manipuliert bis
heute Strömungen und Unterströmungen im baltischen Meer,  “Das
längste Schiff der Welt" hat sich aufgelöst. Ist zu einem
oszillierenden elektromagnetischen Wellenspiel geworden. Landratten
sind zu Tauchgängen eingeladen. Doch nichts geht hier ohne
Sicherheitsmaßnahmen und Überwachung. Die Teilnehmer werden das Spiel
vielleicht nicht verstehen, zumindest nicht gleich, aber sie werden
sich unversehens darin wiederfinden.

Die Möglichkeiten des Netzes motivieren Radio- und Audiokünstler
dazu, das Internet als neuen Raum für akustische Kunstformen
auszuloten. Inspiriert vom Konzept der Vernetzung entstehen
Hör-Spiele, welche den Rezipienten zur schöpferischen Teilnahme
animieren. Die Rolle des Künstlers ist es dabei unter anderem,
Situationen zu schaffen und Prozesse in Gang zu setzen, in denen
Hörer auf kreative Weise aktiv werden können. Der Werk-Charakter von
Kunst zerfließt in ein vielgestaltiges Spiel mit Konstellation und
Kommunikation. Hör-Spiele im Internet machen greifbar, auf welche
Weise die digitale Vernetzung eine Reorganisation der Sinne einleitet
und eine Neuorientierung des Wahrnehmens und Verstehens. (Sabine
Breitsameter)

acoustic.space.lab
4.-11. August 2001 in Irbene und Liepaja, Lettland.

Ein internationales Symposium zu Radiowellen und
Satellitentechnologie versucht, Medienkünstler, Sozialaktivisten und
Radiowissenschaftler zusammenzubringen, um die Kombination von Kunst,
Kommunikation und Übertragungstechnologien zu untersuchen.
Veranstaltungsort dieses Symposiums wird das Ventspils International
Radio Astronomy Center (VIRAC) in den Wäldern im Westen von Lettland,
in Irbene sein, wo Radioastronomen versuchen,  ein 1992 von der
Sowietarmee hinterlassenes riesiges Radioteleskop zu restaurieren.
Die Teilnehmer des Symposiums werden die Sende- und
Empfangsmöglichkeiten dieser Kurzwellen-Radioantenne untersuchen und
Workshops zu entsprechenden künstlerischen, sozialen und
technologischen Themen leiten.
Teilnehmer werden u.a. sein: Radio 90/Banff/Canada,
L'Audible/Australia, RadioQualia/Adelaide-Amsterdam,
RadioJeleni/Prague, Ozone/E-LAB/Riga, Aboriginal Radio/ Canada,
Clausthome/Riga, and others), Radioastronomen versuchen,  vom
VIRAC/Ventspils und andere.
Die Organisatoren: The Center for New Media Culture "RIXC" in
Zusammenarbeit mit K {AT} 2 (Liepaja), 99% Svaigs (Riga),
V2_Lab(Rotterdam) und anderen.
Am 12. August wird der Abschluß des Symposiums gefeiert. Mit
Stralsund. Über das Netz. Überall.

Piteris Kimelis (Riga)
wurde 1977 in Riga geboren und ist zur Zeit Gaststudent am Royal
University College of Fine Arts in Schweden. 1996/97 studierte er am
Brockwood Park Educational Centre in England physics of sound and
psycho acoustics, Fotografie, Film (Drehbuchschreiben, Kamera und
Digitalbearbeitung), Kunst (Zeichnen, Malen, Kunstgeschichte), html,
analogue multitrack recording und Musikgeschichte.
Kimelis arbeitete als Tontechniker am Theater, als DJ und Leiter des
Rigaer Radioprogramms “SOUND SCALPEL", als Internet-Consultant und
Art Director eines Kulturmagazins. Seit 1997 arbeitet er im Zentrum
für elektronische Kunst und Medien E-L {AT} B+ + Internetradio OZONE und
seit 2000 mit dem wtv.re-lab.net*
Der lettische Künstler hat zahlreiche Audio- und Videoinstallationen
entwickelt (zuletzt “LETS PRAY!" - Audio/Video-Installation kuratiert
von OPEN, PartyAnimals AnimalFarm, Riga) an internationalen
Medienfestivals teilgenommen (u.a. Ars Electronica, Linz, The Next 5
Minutes, Amsterdam, XCHANGE UNLIMITED in Riga)






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festival CD:

01  Tilman Küntzel   [glitchis] ~ 5:49
02  sonic wargame   [ground control]  ~ 5:57
03  Eberhard Blum   [meditation no.1 von Emmet Williams] ~ 5:14
04  Axel Dörner   [o.t.] ~ 5:56
05  Stephan Mathieu   [blue] ~ 5:24
06  agf   [anime] ~ 1:48
07  Kaffe Matthews   [pool in the basement - an extract] ~ 4:59
08  pk (pk {AT} re-lab.net)   [very hopeful] ~ 10:02
09  Steven Garling   [crystall] ~ 2:49
10  Guy Bettini   [abrakadabra] ~ 4:12
11  framersmacuel   [aktkødjealea] ~ 4:32
12  Staalplaat Soundsystem   [a lullaby in kitchenland] ~ 6:28
13  Ignaz Schick   [mur] ~ 6:00

bei uns erhältlich.....
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